Aufstellungen - systemisches Familienstellen

Das Familiensystem
Jeder Mensch, der in ein Familiensystem hineingeboren wird, fühlt sich aus seelischer Ebene stark mit diesem System verbunden. Es ist die Liebe zu den Eltern, zu den Geschwistern, zu Großeltern, Tanten und Onkeln, zu der ganzen großen Sippe, bis hin zu vielen Generationen zuvor. Wir alle tragen auf unbewusster Ebene das Glück und das Leid unserer Familie und unserer Ahnen in uns. Verletzungen, tragische Ereignisse, Verlust und Trauer, Schuld, Ohnmacht, Verstrickung, ungelebte Lieben und ungelebtes Leben der Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen, leben in uns weiter, ohne dass wir es ahnen. Unbewusst stellen wir uns an die Seite eines Menschen aus unserem Familiensystem und leben sein Leben weiter. Unsere Loyalität sagt: „ich bin wie du“.
 
Ich bin wie du
Diese unbewusste Bindung hat große Auswirkungen. „Ich bin wie du“ heißt „ich werde beruflich nicht erfolgreich, so wie du“. Es heißt „du hast deine Liebe nicht leben dürfen, also werde ich auch keine erfüllte Liebe leben“. Es heißt, „du warst ausgestoßen und geächtet, also werde ich alles tun, um auch ausgestoßen zu werden. Somit erinnere ich an dich.“ Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Loyalität auf einer tiefen Ebene besteht, die vom Verstand her nicht zugänglich ist. Oft genug hat man im Alltagsleben keinen besonderen Bezug zu dem Menschen, um den es geht, sehr oft weiß man – beispielsweise bei einem frühen Ahnen – nicht einmal etwas über dessen Existenz. Die Folge allerdings ist schwerwiegend: denn trotz redlichem Bemühen im Hier und Jetzt ist das unbewusste Versprechen an den geliebten Menschen, die unerkannte Verstrickung, die Ursache dafür, seinen eigenen Weg nicht kraftvoll gehen zu können.
 
Unsichtbar verbunden
Unser Unbewusstes weiß um diese Verbindungen. Unser Unbewusstes kennt die Geschichte von unserem Gegenüber, von jedem Menschen, mit dem wir näher in Verbindung treten. Alle Menschen sind sozusagen unsichtbar miteinander verbunden. Zum Schutz eines jeden einzelnen und um ein Miteinander überhaupt möglich zu machen, ist dieses Wissen darum tief in uns verborgen. Doch unser Unbewusstes hat die Tendenz, die verborgenen Dinge ans Licht zu bringen. Es spricht mit seiner ihm eigenen Sprache, spricht in Symbolen und Bildern. Wenn wir spontan, also ohne zu überlegen, eine Beziehung oder eine Situation aufstellen, auf einer greifbaren und bildhaften Ebene erleben, wird transparent gemacht, was wirklich ist.
 
Sichtbar machen
„Aufstellen“ bedeutet, Verborgenes räumlich sichtbar und somit nachvollziehbar zu machen. Dies kann geschehen, indem man im geschützten Rahmen einer Aufstellungsgruppe Menschen als Stellvertreter für sich selbst und für andere Personen auswählt und sie so stellt, wie der unbewusste Impuls es vorgibt. Es lassen sich auch Stellvertreter für abstrakte Begriffe wie „Angst“ oder „Erfolg“ benennen. In der Einzelarbeit lässt sich der gleiche Prozess imitieren, indem man z.B. Steinfiguren auf den Tisch stellt. Das Bild, das sich dabei ergibt, ist bereits ein erster Schlüssel. Warum steht der Vater so weit entfernt vom Rest der Familie? Wo schaut er hin? Warum stehe ich so nah neben dem Urgroßvater, der sich seinerzeit das Leben nahm? Warum steht die „Angst“ groß und mächtig vor dem „Erfolg“ und versperrt mir die Sicht auf ihn?
 
Heilsame Ordnung
Das Sichtbar- und somit Bewusst-Machen, ist ein erster Prozess. In der Gruppenaufstellungsarbeit äußern die Stellvertreter ihre Empfindungen auf diesem für sie gewählten Platz und geben Impulsen nach, sich in einer anderen Position zueinander zu stellen. Unter der Leitung des Therapeuten entwickeln sich weitere Schritte, die Verstrickungen lösen und letztlich zu einer neuen Ordnung führen. Im therapeutischen Einzelgespräch wird dies erreicht, indem unbewusste Muster aufgedeckt werden und die Figuren einen neuen Platz bekommen. Das, was in Unordnung geraten war, wird in eine neue heilsame Ordnung gebracht. Schon das Bild, das sich zeigt, auf räumlicher und damit begreifbarer Ebene, ist friedlich und wohltuend. Und – da wir alle miteinander verbunden sind – hat diese versöhnende Veränderung auch Einfluss auf alle Beteiligten. Sie wirkt auf sanfte, oft beeindruckende Weise.